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Chancengleichheit

Stell Dir vor, Du bist hetero und niemand weiß es …

QBW Frauen Sept16: Strahlende QBW Frauen - Vereinsarbeit macht Spass.
QBW Frauen Sept16: Strahlende QBW Frauen - Vereinsarbeit macht Spass.
QBW Frauen Sept16: Strahlende QBW Frauen - Vereinsarbeit macht Spass.

Mit wem waren Sie auf Urlaub? … und was erzählen Sie den Kolleginnen?

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Mag.a Astrid G. Weinwurm-Wilhelm, M.Sc.

Präsidentin Queer Business Women

Irrtum!

Bis zu 10% der Bevölkerung sind lt. Statistik homosexuell. 830.000 in Österreich … oder ganz Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt zusammen. ABER: Schätzungen zufolge sind lediglich ca. 25 Prozent der lesbischen Frauen und schwulen Männer „out“ am Arbeitsplatz. Im Umkehrschluß: unglaubliche 75% sind es nicht und nehmen ein tägliches Versteckspiel auf sich. Aus Angst vor Mobbing, Diskriminierung oder Karrierenachteilen. Es muss also ein Irrtum sein, wenn es heißt: „Bei uns gibt es die nicht!“

Privatsache!

Heterosexualität ist in der Gesellschaft die „Norm“ und so gehen heterosexuelle Menschen mit ihrer sexuellen Orientierung offen um: Familienfotos auf dem Schreibtisch und Erzählungen vom Wochenende sind Teil des “sozialen Kitt” zwischen Kolleginnen. Diese Informationen sind wichtig für erfolgreiche Teamarbeit, produktives Arbeitsklima und oft auch für die Karriere.

So selbstverständlich Heterosexuelle über ihr Privatleben reden, so wenig bewusst ist ihnen, dass sie dabei ihre eigene sexuelle Orientierung offenlegen. Im Gegenzug stoßen unternehmerische Maßnahmen, die homosexuellen Mitarbeiterinnen das Outsein am Arbeitsplatz erlauben, oft auf Unverständnis: die sexuelle Orientierung ist doch Privatsache! Das Privatleben von Lesben und Schwulen wird damit auf Sexualität reduziert, als ob sie keine sozialen Bindungen und Verpflichtungen hätten. Homosexualität hat aber genau so viel mit der Arbeit zu tun wie Heterosexualität: Sie gehört zum Leben und kann nicht vor der Firmentüre abgegeben werden.

Konsequenzen?

Wer jeden Tag Strategien entwickeln muß, um die eigene Identität zu erfinden – das fingierte heterosexuelle Leben – investiert viel Energie, die unter anderen Umständen in die Arbeitsleistung fließen würde. Zudem hat das langfristige Verleugnen Folgen für Gesundheit und Arbeitszufriedenheit, führt zu innerer Kündigung bis hin zu erhöhter Fluktuation.

Perspektiven!

Outsein im Job verlangt nach einem Rahmen: Es braucht Selbstbewusstsein, Maßnahmen, die vor Diskriminierung schützen, sowie die Anerkennung von Kolleginnen. Das Outing verbessert nicht nur Arbeitszufriedenheit, Motivation und Loyalität, auch die Kolleginnen haben es leichter: Erzählen diese von ihrem Familienleben, erwarten sie ähnliches von ihrem Gegenüber.

Am Ende gibt es viele Gewinnerinnen: Ein Unternehmen, in dem Offenheit und Wertschätzung gelebt werden, wird als attraktiver Arbeitgeber geschätzt und kann sich im Wettbewerb mit hoher Personalbindung positionieren. Und Mitarbeiterinnen, die sich mit ihrem gesamten Potenzial und ihren verschiedenen Perspektiven einbringen können.

Und übrigens: auch heterosexuelle Menschen arbeiten lieber in einem Umfeld in den vielfältigen Lebensformen wertgeschätzt werden.

Fragen?

Die Queer Business Women (QBW) und austrian gay professionals (agpro) arbeiten für die Sichtbarkeit und Akzeptanz lesbisch-schwuler Menschen am Arbeitsplatz. Wir unterstützen Lesben und Schwule in ihrem Selbstverständnis und arbeiten mit Unternehmen zusammen, um deren Maßnahmen im Diversity Management mitzuentwickeln. Mehr unter www.qbw.at bzw. www.agpro.at

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