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„Ich war lange beratend tätig aber jetzt darf ich machen!“

Dorothee Ritz
Dorothee Ritz
Dorothee Ritz / © Foto: Microsoft

Seit 2015 ist Dorothee Ritz Country Managerin bei Microsoft in Österreich. Im Interview spricht die studierte Rechtswissenschaftlerin über ihre Karriere, Verantwortung im Job und Führungsqualitäten.

Sie sind seit 12 Jahren bei Microsoft tätig, haben verschiedene Führungspositionen bekleidet. Wie kamen Sie als studierte Rechtswissenschaftlerin in den IT-Bereich?

Ursprünglich wolllte ich Journalistin werden, habe mich dann aber für ein Rechtsstudium entschieden. Ich habe in einem Medienhaus angefangen und war in der ersten Stunde des Internets dabei – diese Faszination hat mich nie losgelassen. Ich habe mein Studium parallel zur Arbeit abgeschlossen und dem Schwerpunkt Online-Recht gewidmet und wollte für Unternehmen arbeiten, die zukunftsweisend sind. Da lag der Sprung zu Microsoft nahe.

Seit letztem Jahr sind Sie Country Managerin in Österreich. War dieser Karriereschritt von vornherein ein bewusstes Ziel?

Country Managerin bei Microsoft – diese Aufgabe fand ich immer faszinierend, weil man alles verantwortet. Ich war lange beratend tätig – aber jetzt darf ich machen. Und Österreich war immer mein Wunschland. Da musste ich nicht lange überlegen.

Mit 1. Juli 2015 übernahm Dorothee Ritz die Geschäftsführung von Microsoft Österreich. ©Foto: Microsoft

Wie ist es Ihnen gelungen, sich in Österreich rasch einzuleben und auch einzuarbeiten?

Nach so vielen Jahren bei Microsoft kannte ich das Unternehmen und einige MitarbeiterInnen ja schon gut und ich bin sehr herzlich empfangen worden. Österreich ist ein kleiner Markt, aber Deutschland sehr nah. Da hatte ich keine großen Umstellungsschwierigkeiten. Außerdem befand und befindet sich Microsoft mitten im Transformationsprozess. Es gibt also für alle konstant Veränderungen und Neues zu lernen.

Zielvorgaben, Vertrauensarbeitszeit, offene Büros: Die Arbeitsweise bei Microsoft unterscheidet sich deutlich vom klassischen Bürojob. Wie kann man sich das vorstellen?

Wie alle unsere MitarbeiterInnen habe ich kein festes Büro, sondern suche mir entsprechend meinen Aufgaben einen geeigneten Arbeitsplatz. Natürlich habe ich sehr viele Termine, Besprechungen finden dann in unseren modernen Besprechungszimmern oder direkt beim Kunden vor Ort statt. Brauche ich mal Ruhe, um etwas durchzudenken, arbeite ich im Home Office.

Wir sind von überall aus in den kompletten Arbeitsprozess eingebunden. Das hat große Vorteile und macht auch die Planung des Privatlebens einfacher.

Sie haben verschiedene Führungspositionen bekleidet. Was sind für Sie wichtige Führungsqualitäten?

Um MitarbeiterInnen gut führen zu können, muss man begeistern können. Das heißt auch Begeisterung für das Unternehmen mitzubringen und große Ziele zu verfolgen. Man sollte Verantwortung übernehmen, aber auch Aufgaben delegieren und MitarbeiterInnen Selbstverantwortung übertragen.

Wichtig ist in unserer komplexen Welt, Dinge zu vereinfachen, Energie freizusetzen und Erfolge gemeinsam zu feiern. Man muss Menschen motivieren können, an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten, hinter dem man auch selbst steht. Wir setzen auf Management by Objective, dazu muss jede/r Einzelne seine Ziele kennen und verstehen, was das Unternehmen von ihm erwartet.

Welche Qualitäten schätzen Sie an MitarbeiterInnen und was sollte man für einen Job etwa bei Microsoft mitbringen?

Klar geht es um eine gewisse digitale Grundkenntnis, aber am wichtigsten ist heute die Fähigkeit, schnell zu lernen, eng mit Teams und Kunden zusammenzuarbeiten und Mut für Veränderung zu zeigen. Unsere MitarbeiterInnen müssen einen guten Mix aus fachlichen Qualifikationen und wichtigen Soft Skills mitbringen.

Eine fachliche Ausbildung beziehungsweise Berufserfahrung im Bereich IT in Kombination mit modernen Sales- und Marketingkenntnissen sind ebenso relevant, wie die Eigenschaften Flexibilität und Mobilität. Besonders gefragt sind zudem Persönlichkeiten, die kreative Lösungsansätze anstreben, sowie produktive Anpassungsfähigkeit mit sozialer Kompetenz verbinden.

Frauen sind in Führungspositionen, gerade im IT-Bereich, immer noch die Ausnahme. Warum ist das so, und was kann man dagegen tun?

Nicht nur in Führungspositionen, sondern generell ist der Frauenanteil im IT-Bereich niedrig. Viel zu oft gibt es in Unternehmen nach wie vor eine patriarchalische Unternehmenskultur. Wir sehen es als Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung, die Barrieren abzubauen und eine Vorbildwirkung für junge Frauen zu erzielen.

Wenn wir nicht mehr Mädchen in die technischen Berufe holen, dann wird das negative Auswirkungen haben, denn Fachkräftemangel ist eine der größten Bremsen für die Wettbewerbsfähigkeit und den Wirtschaftsstandort Österreich.

Die IT-Branche verliert die Mädchen bereits sehr früh und wir müssen daher schon in der Schule beginnen, für Technologie zu begeistern und aufzuzeigen, welche Chancen ein Beruf in diesem Umfeld bietet. Deshalb engagiert sich Microsoft für Initiativen in diesem Bereich. Um Frauen den Weg in Führungspositionen zu ebnen, sind geeignete Rahmenbedingungen nötig: flexible Arbeitszeit, eine Unternehmenskultur, die allein das Ergebnis misst.

Der gleiche Lohn und gleiche Chancen für Männer und Frauen – das alles wird bei Microsoft schon lange gelebt. Für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit, sowohl für Frauen als auch für Männer, bieten wir Förderprogramme sowie familienfreundliche Maßnahmen.

Gibt es einen Tipp, den Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben möchten, die in Zukunft eine Führungsposition anstreben?

Ich denke, das Wichtigste ist, dass man begeistert ist von dem, was man beruflich macht. Das sollte nicht überlagert werden von anderen Dingen und praktischen Überlegungen. Wichtig ist, einfach anzufangen und nicht zu lange zu überlegen. Besonders Frauen überlegen oft zu grundlegend, ob sie etwas können oder wirklich wollen. Da kann ich nur sagen: Nur Mut, das ergibt sich schon auf dem Weg.

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